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Der Biogena-Börsengang erklärt

Es tut sich wieder was an der Wiener Börse – für die Smart Casual Community außerhalb Österreichs ist das folgende zwar fast ein Mickey-Maus-Listing, trotzdem gibt es daraus ein paar Learnings. Der Nahrungsergänzungsmittelhersteller Biogena wirbt aktuell stark mit seinem Börsengang. Nach mehreren Anleihen geht es jetzt einen Schritt weiter: Mit einer internen Bewertung von 450 Millionen Euro will die Biogena Good Vibes AG rund im August 2026 an die Börse.
Nur: Ein richtiger Börsengang ist das nicht, sondern ein direktes Listing – nicht im ATX, sondern im Direct Market Plus, einem Segment des Vienna MTF (also einem multilateralen Handelssystem, nicht dem geregelten Markt). Eingesammelt werden sollen bis zu 20, mit Erweiterungsoption bis zu 25 Millionen Euro, gezeichnet wird zum Ausgabepreis von 4,803 Euro je Aktie direkt über die Biogena-Website, nicht über eine Bank. Das Listing im kleineren Markt ist nicht per se schlecht, aber die Frage ist, wie liquide die Aktie danach handelbar ist. Der Prospekt hält sogar fest, dass keine Verpflichtung zur Notierung besteht – kommt sie nicht zustande, gibt es für die gezeichneten Aktien vorerst gar keinen Handelsplatz.
Auffällig ist das Eigentümerverhältnis: CEO Albert Schmidbauer hält aktuell 90,41 Prozent und bleibt auch nach dem Listing mit rund 86 bis über 90 Prozent klar Mehrheitseigentümer – plus drei Namensaktien, die ihm das Recht geben, Aufsichtsratsmitglieder zu entsenden. Mit rund 90 Prozent Gründerkontrolle heißt das für Streubesitz-Aktionär:innen faktisch null Mitsprache.
Die Wachstumsziele sind ambitioniert: Der Konzernumsatz soll von zuletzt testierten 124,9 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2024/25) bis 2029/30 auf 502 Millionen Euro steigen – mehr als eine Verdreifachung in fünf Jahren. Das Wachstum soll vor allem im deutschen Markt passieren, wo der Marktanteil von rund 0,7 auf etwa 3 Prozent steigen soll. Begründet wird das Umsatzpotenzial mit freien Produktionskapazitäten, die Anlage sei aktuell weniger als 25 Prozent ausgelastet. Das frische Kapital soll in Expansion und Vertrieb fließen: ein Apotheken-Netzwerk und Boutiquen auch im Ausland.
Damit zur Bewertung: Ist eine Produktkategorie, die eher Lifestyle als Medizin ist, wirklich 450 Millionen Euro wert? Zum Einordnen: Das entspricht dem 3,6-fachen des aktuellen Umsatzes. Der gelistete Nutrition-Konzern Glanbia (Optimum Nutrition, BSN) liegt beim rund 1,3-fachen. Biogena machte zuletzt auf Konzernebene nur 1,6 Millionen Euro Gewinn, das macht ein rechnerisches KGV von rund 275 – deutlich mehr, als der Markt für vergleichbare, bereits gelistete Anbieter zahlt.
Dass Biogena kein Biotech mit starker IP ist – der Prospekt führt über 729 Markenrechte, aber keine Produktpatente, dass der Gründer Mehrheitseigentümer bleibt und das Listing vorerst im kleineren Markt stattfindet, macht die Aktie für mich aktuell nicht zum Investment-Case. Der ATX ist aber das erklärte Ziel von Schmidbauer.
Spannend ist deshalb vor allem die Kommunikation drumherum: Der Bulle im Werbesujet lässt das Listing größer wirken, als es ist, und die Marke adressiert vor allem Bestandskund:innen als Investor:innen. Meine Befürchtung: Nur wenige setzen sich wirklich mit den Details auseinander, bevor sie investieren. Wie seht ihr das?
Frage der Woche
Wäre ein Direktlisting wie das von Biogena für dich als Anleger:in interessant?
Der richtige Umgangston mit KI hat vergangene Woche viele Reaktionen hervorgerufen, das Ergebnis der Umfrage ist trotzdem ausgeglichen:

📈 Smart Markets
Index | Wert | 7 Tage Performance % |
DAX | 24915,49 | -0,6% |
ATX | 6459,67 | -0,39% |
S&P 500 | 7533,77 | -0,55% |
NASDAQ 100 | 29025,77 | -2,68% |
Bitcoin (Euro) | 55741,88 | -0,2% |
Smart Moves
AI & Software brachen diese Woche ein:
IBM (IBM) · 🔻 −23,8 %, historischer Absturz nach überraschender Gewinnwarnung
Oracle (ORCL) · 🔻 −11,7 %
Breiter Ausverkauf bei Chips:
Arm (ARM) · 🔻 −19,0 %
Micron (MU) · 🔻 −12,9 %
Intel (INTC) · 🔻 −11,7 %
ASML · 🔻 −0,7 %, trotz angehobener Jahresprognose
Biotech auf Talfahrt – Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf:
Intellia (NTLA) · 🔻 −16,6 %
Recursion (RXRX) · 🔻 −15,2 %
Beam Therapeutics (BEAM) · 🔻 −13,1 %
Cybersecurity hielt sich als grüner Fleck im Tech-Sektor:
SentinelOne (S) ▲ +9,8 %
Rapid7 (RPD) ▲ +9,0 %
Palo Alto Networks (PANW) ▲ +8,6 %
📢 Weitere News
Bei Volkswagen wird es voraussichtlich erst im August eine Einigung über das massive Sparprogramm geben. Indes könnte der israelische Rüstungskonzern Rafael ein Werk in Osnabrück übernehmen. (Spiegel)
Uber übernimmt den Berliner Lieferdienst Delivery Hero für 14,8 Milliarden US-Dollar. (Yahoo Finance)
Shein startet voraussichtlich im August den Handel an der Börse Hong Kong. (Reuters)
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Nach jahrelangen Verhandlungen übernimmt die Raiffeisenbank International mit 55,3 Prozent die Mehrheit an der Addiko Bank. (Die Presse)
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Schönes Wochenende und viel Spaß mit den letzten zwei Tagen Fable-Access bei Claude :)
Lisa

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